Connected Roadtrip: MINI “always connected” im Test – Teil 2

Nicht nur was die Fahrzeug-Assistenzsysteme anbelangt, hat sich in den letzten zwölf Jahren Einiges getan, – auch in Sachen Vernetzung und Navigationssysteme. Ich habe Euch hier in Teil 1 gezeigt, was der aktuelle MINI der dritten Generation an Fahrhilfen mit sich bringt. Im Folgenden widme ich mich dem neuen, vernetzten Festeinbau-Navigationsgerät.

Grundlegendes zum Infotainmentsystem

In allen ab März 2018 gebauten MINI-Modellen wird eine aktualisierte Generation der Radio-/Navigationssysteme verbaut. Die wichtigste Neuerung ist die integrierte LTE-SIM-Karte, die alle Connected Media und Connected Navigationssysteme spendiert bekommen haben. Eine Übersicht, welche Radio-/Navigationsgeräte bei MINI erhältlich sind, habe ich Euch hier zusammengestellt. In meinem Testfahrzeug ist die höchste Ausbaustufe – das Connected Navigation plus – verbaut. Dieses beinhaltet MINI Connected XL, das Tier1-Lieferanten Harman beigesteuert wird. Es verfügt über einen 8,8-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 1280 mal 600 Pixel. Im Inneren befindet sich ein Nvidia Tegra K1-Chipsatz, der das Blackberry QNX-Betriebssystem mit angepasster MINI-UI antreibt. Die integrierte Antenne samt Mobilfunkmodul kommt vom deutschen Hersteller Kathrein. Das MINI Connected Navigation plus-System kostet im Paket mit MINI Connected XL (zwei Bluetooth-Schlüsselanhänger) und der Telefonie mit Wireless Charging 2.440 Euro Aufpreis. Das Head-Up-Display belastet das Konto mit 600 Euro zusätzlich.

Die Bedienung erfolgt entweder über den MINI-Controller mit Direktwahltasten und Touch-Oberfläche, die gekritzelte Buchstaben und Ziffern erkennt, oder über den Touchscreen. Ebenfalls möglich ist die Steuerung via Sprache. Bei der Sprachbedienung wird die „Natural Language Understanding“ (kurz NLU) von Nuance verwendet. Diese kann – zur Verbesserung der Erkennung – Daten anonymisiert an die BMW-Server schicken. Solange die NLU nur vorgefertigte Sätze sprechen muss, ist die Sprachausgabe angenehm und gut verständlich (siehe hier). Aber wehe, es muss eine SMS oder News vorgelesen werden, dann wird es doch arg dahingestammelt. Das geht um Längen besser, beispielsweise mit Amazons Alexa. Sie wird erst im kommenden Jahr auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, die für dieses Jahr geplante Einführung (siehe hier) wurde verschoben, da zusätzlich zur Sprachausgabe auch eine Displaymeldung ausgegeben werden soll. Diese tiefe Integration braucht Entwicklungszeit. Dafür bekommen es alle MINI Connected Navigation-User via Update eingespielt.

Bei der NLU-Sprachsteuerung von Nuance können nicht alle Menüpunkte per Sprache angewählt werden. Ist ein solches Menü ausgewählt, wird der Fahrzeuginsasse dann von der Stimme aus den Lautsprechern zur manuellen Eingabe aufgefordert. Die Steuerung des Infotainmentsystem ist intuitiv, schon nach kurzer Zeit switche ich zwischen den verschiedenen Eingabemethoden hin und her. Je nach Situation ist mal die Eingabe via Controller praktisch, dann die Sprachsteuerung – vor allem zum Diktieren von Textnachrichten – und mal ist der berührungssensitive Bildschirm das Mittel der Wahl.

Die Touch-Oberfläche auf dem Controller ist vor allem für asiatische Schriftzeichen gedacht. Aber auch mit lateinischen Buchstaben kann es sinnvoll sein, einen Buchstaben auf die Oberfläche zu zeichnen. Denn so kann man beispielsweise direkt zu allen Kontakten springen, die ein „L“ im Namen tragen. Ein besonders praktisches Feature sind die zuletzt verwendeten Menüpunkte. Auf der abgebildeten Startseite sind links oben in der Ecke drei Punkte zu sehen, damit kommt man zu einer horizontalen Leiste mit den zuletzt verwendeten Menüs. Insgesamt sechs unterschiedliche Menüpunkte werden dem Nutzer angeboten. Die Animationen sind flüssig, der Nvidia-Prozessor leistet also ganze Arbeit. Nützlich ist der Splitscreen, sodass sich zwei verschiedene Apps gleichzeitig visualisieren lassen, z.B. Navigation und Apple CarPlay. Schön wäre es, wenn die Größe der beiden Bildschirminhalte individuell angepasst werden könnte.

Einige Funktionen laufen über die fest im MINI verbaute LTE-SIM-Karte, das ist ein Plus im Vergleich zum letztjährigen System. Damit das Smartphone nicht so schnell leer wird, lässt es sich drahtlos laden. die QI-Ladeschale ist hierbei in der Mittelarmlehne verbaut. Alternativ kann man aber auch den 12-Volt-Anschluss oder die beiden USB-Anschlüsse in der Mittelkonsole verwenden.
Und nun lasst uns näher eintauchen in die Welt des MINI Navigation plus-Systems mit MINI Connected. Dazu werde ich nachfolgend die Eindrücke aus den vier Bereichen Multimedia, Navigation, Kommunikation und Konnektivität schildern.

Multimedia

Sich mit Musik beschallen zu lassen, ist zweifellos die Hauptfunktion. Im Vergleich zum Vorgänger, dem „MINI Navigation Professional“ (meinen Testbericht dazu könnt Ihr hier lesen), hat sich doch eine Menge getan. Der interne Musikspeicher mit 20 GB wurde gestrichen. Es gibt nun auch bei allen Connected-Radio-/Navigationsgeräten keinen AUX-In-Anschluss mehr. Stattdessen sind jedoch gleich zwei USB-Ports und eine umfangreichere Bluetooth-Anbindung von externen Audioquellen vorhanden. Es stehen folgende weitere Möglichkeiten parat:

  • Radio-Tuner
  • USB-Schnittstelle
  • Spotify
  • Bluetooth-Audio-Streaming

Mit dem neuen Connected Navigation plus-System werden zwei USB-Anschlüsse verbaut, die jeweils dem normal großen Typ-A-Port entsprechen. An diesem klappt es auch, einen USB 3.0-Stick mit 512 GB Speicherkapazität und NTFS-Formatierung zu betreiben. Es steht den Passagieren die Möglichkeit offen, die Musik chronologisch oder per Zufallswiedergabe abzuspielen, oder man sucht nach Interpreten, Alben oder einzelnen Tracks. Möchte man innerhalb eines Liedes springen, so lässt sich auch dies mittels Touch einfach lösen. Eine andere Möglichkeit, Audiodateien abzuspielen, ist via Bluetooth-Verbindung zum Telefon. Hierüber muss zunächst am Telefon selbst die gewünschte Musik-App gestartet werden, erst danach kann der Inhalt übertragen werden. Explizit für Spotify hat MINI eine eigene Fahrzeug-App entwickelt. Jedoch läuft das Musikstreaming nicht über die im MINI eingebaute LTE-SIM-Karte, sondern nach wie vor über den Datentarif des eigenen Smartphones. Die Integration von Spotify ist ziemlich komfortabel gelungen.

Es gibt nun zwei verschiedene Möglichkeiten, Spotify im MINI Connected-System abzuspielen. Einerseits, indem man sein Telefon samt darauf installierter Spotify-App via USB-Kabel anschließt. So wird es aufgeladen und man kann im Festeinbau-Infotainment die Applikation auswählen, es muss nicht mal die MINI Connected-App installiert sein. Das ist durchaus praktisch. Noch komfortabler geht es andererseits, wenn man sein Telefon via Bluetooth mit dem MINI bekannt gemacht hat. Dann nämlich kann der smarte Begleiter in einer Tasche stecken bleiben und trotzdem lässt sich auf dem 8,8-Zoll-Touchscreen die Spotify-App auswählen. Damit das jedoch klappt muss, zusätzlich zur Software des Musikanbieters auch die MINI Connected-App installiert und eingerichtet sein. Beim Vorgänger-System wünschte ich mir eine optische Rückmeldung zum Verbindungsstatus zwischen Telefon und Auto. In der aktuellen MINI Connected-App (Version 5.1) ist nun eine solche Anzeige verfügbar. Danke, MINI!

Allerdings muss man diese Anzeige explizit im Infotainmentsystem anwählen. Wenn auf dem Smartphone der MINI-Verbindungsbildschirm angezeigt wird, dann hat die Bluetooth-Verbindung geklappt und es wird unter dem Menüpunkt „Medien“ die Spotify-App angezeigt. Am zuverlässigsten ist der Verbindungsaufbau, wenn Bluetooth am Smartphone eingeschaltet ist, bevor die Zündung des MINI aktiv ist.

Generell muss man nach dem Aktivieren der Zündung knapp eine Minute warten, ehe die drahtlose Verbindung hergestellt ist. Dabei versucht die MINI Connected-App sich selbständig zu öffnen, und danach ebenfalls völlig automatisch die Spotify-App auf dem Smartphone zu starten. Auch eine Displaysperre am Smartphone stört nicht, aber wichtig ist eben die sichergestellte Bluetooth-Verbindung zwischen MINI und Telefon. Sollte es – wider Erwarten – nicht funktionieren, lässt sich die Verknüpfung auch manuell anstoßen. Hierzu tippt man beim Dreh-Drück-Controller auf „Option“ und wählt den Punkt „Mobile Geräte verwalten“ aus. Dort werden alle bekannten Bluetooth-Smartphones angezeigt und es lässt sich auswählen, welche Funktionen verfügbar sein sollen. Ist der Haken bei „Apps“ gesetzt, so steht Spotify zur Verfügung. Falls nicht, sorgt ein Antippen auf den Eintrag „Apps“ dafür, dass manuell eine Verbindung hergestellt wird. Auch ein manuelles Neustarten der MINI Connected-App oder des Smartphones kann Abhilfe schaffen. Zur Kontrolle, ob es geklappt hat, dient der Anzeigestatus-Bildschirm auf dem Smartphone. Im Test klappte der Verbindungsaufbau fast immer, wenn Bluetooth vor dem Aktivieren der Zündung eingeschaltet war. Es gab aber auch vereinzelte Verbindungsprobleme zu vermelden, bei denen sich der MINI zunächst weigerte, sich mit meinem Smartphone zu verbinden. Ich schlage einen Begrüßungsbildschirm auf dem MINI Centre Instrument vor, auf dem gleich der aktuelle Verbindungsstatus zusehen ist. Denn dann könnte man noch handeln, bevor man losfährt. Ein Neustart der Verbindung hat im Test immer geholfen. Und ein PC hängt sich ja schließlich auch ab und zu auf. Nur benötigt der Nutzer halt eine Rückmeldung.

Die von MINI entwickelte Spotify-App sorgt dafür, dass die Insassen bequem alle Funktionen des Musikstreaminganbieters über den Dreh-Drück-Controller oder den Touchscreen bedienen können. So lässt sich im gesamten Katalog suchen, Playlisten auswählen, zuletzt abgespielte Lieder anzeigen und in der eigenen Musikbibliothek schmökern. Schön ist auch, dass die Cover der Playlist bzw. des Albums angezeigt werden. Das sieht nicht nur schick aus, es kann auch die Suche erleichtern. Ebenso kann mit einem Fingertipp zwischen dem vorherigen und dem nächsten Lied hin und her gesprungen werden. Leider klappt das nicht mit den Bedientasten am Lenkrad, sondern ausschließlich in der dargestellten App im Infotainmentbildschirm. Die Sprachsteuerung lässt leider keinerlei Steuerung der Spotify-App zu.

Wer kein Spotify mit dem Mobile benutzt, sondern eine andere Musik-App – sei es Amazon Music oder lokale Musik-Dateien via VLC-Media-App – muss als Medienquelle Bluetooth-Audio-Streaming auswählen. Dann ist der Funktionsumfang im Vergleich zur Spotify-Integration aber eingeschränkt. Die Zufallswiedergabe lässt sich aktivieren, ebenso ist es möglich, zwischen dem vorher und nachfolgenden Titel zu wechseln. Eine Suchfunktion jedoch hängt von der verwendeten Musik-App auf dem Smartphone ab. Bei lokal gespeicherter Musik ist eine Suche möglich, bei Musikstreaming-Portalen nicht. Auf eine Cover-Darstellung muss beim Bluetooth-Audio-Streaming ebenfalls verzichtet werden.

Neben dieser Möglichkeit, das Smartphone als Audio-Quelle zu benutzen, ist auch ein klassischer Radio-Tuner integriert. Der Empfang ist dabei als gut zu bezeichnen. Optional ist auch ein DAB+-Tuner erhältlich. Dieser bringt digitale Radiosender ins Auto. Im Vergleich zum FM/AM-Empfang werden dabei zusätzlich Informationen vom Sender auf dem Display im MINI angezeigt, beispielsweise zum gerade abgespielten Song.

Im MINI Infotainmentsystem sind die Apps „MINI Connected Fahrzeug-Apps“ vorinstalliert. Ab Fahrzeugzulassung kann man drei Jahre lang die Funktionen kostenfrei nutzen. Dazu zählen ein Nachrichtenportal, der Wetterbericht und Funktionen für die Navigation. Als Quelle für die Nachrichten dient die Agentur „afp“. So werden die neuesten Meldungen aus Deutschland und der ganzen Welt direkt im Auto über den 8,8-Zoll-Touchscreen angezeigt. Es lässt sich auch nach einzelnen Kategorien filtern. Wer sich beispielsweise gerne über Sportergebnisse informieren möchte, kann dies tun. Auf Wunsch können die einzelnen Meldungen vorgelesen werden. Leider sind die Nachrichten nicht professionell vertont, sondern werden von der Sprachsteuerung von Nuance dahingestammelt. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, ist aber eher ein Graus für die Ohren. Glücklicherweise kann man ja auch selbst die Meldungen lesen, wobei das aus Sicherheitsgründen natürlich nur im Stand gemacht werden sollte.

Kostenlose Updates für die Multimedia und Telefon-Funktion lassen sich im Internet auf dieser Webseite hier herunterladen. Dabei geht es einerseits um die Kompatibilität mit Smartphones und Speichersticks, andererseits um die Unterstützung von Dateiformaten. Die Update-Datei muss nach dem Download auf einen USB-Stick verschoben und dieser dann in den Anschluss im Auto eingesteckt werden. Aktuell ist der Link jedoch noch nicht verfügbar.
Eine Möglichkeit – statt diese eigene Seite aufzubauen – wäre, eine Update-Historie und Downloadfunktion in das MINI Connected-Online-Portal (siehe hier) zu integrieren. Jeder MINI-Kunde, der Connected-Funktionen nutzen will, braucht sowieso ein Nutzerkonto auf dieser Seite. Was liegt da näher, als darüber auch die Software-Updates zu verteilen? Quasi als Alternative zur over-the-air-Lösung…

Insgesamt lässt sich sagen, dass MINI die Multimedia-Funktionen sinnvoll erweitert hat und mit der komfortablen Spotify-App im Fahrzeug eine tolle Lösung bereithält. Leider wird die integrierte LTE-SIM-Karte nicht für die Verbindung zum Streamingdienst genutzt. Zudem sollte der drahtlose Verbindungsaufbau zwischen Smartphone und MINI Infotainmentsystem zuverlässiger funktionieren. Der Wegfall des internen Speichers stört nicht, denn dieser Speicherplatz wird nun anderweitig sinnvoll genutzt.

Navigation

Die Aufgabe eines Navigationssystems wird schon im Namen deutlich. Es soll auf Wunsch zum Zielort führen, möglichst schnell und effizient. Um das zu bewerkstelligen, ist bei den MINI Connected Navigationssystemen das Kartenmaterial für Europa fest im internen Speicher archiviert. Bei der Navigationsfunktion spielt die eingebaute LTE-SIM-Karte groß auf. Denn durch sie wird der Abruf von Echtzeitverkehrsmeldungen (RTTI) möglich. Diese Online-Verkehrsmeldungen werden durch anonymisierte Daten des Anbieters Inrix ermittelt und ergänzt durch eine Schwarmintelligenz. Alle mit einer SIM-Karte ausgerüsteten BMW-/MINI-Modelle fungieren hierbei als Sender und Empfänger zugleich. Bewegen sich mehrere Fahrzeuge deutlich langsamer, als es auf der Strecke erlaubt wäre, so ist von einem erhöhten Verkehrsaufkommen auszugehen. Und genau diese Information wird dann over-the-air an alle Fahrzeuge mit SIM-Karte weitergegeben. Ersichtlich ist das an farbigen Markierungen auf der Karte im Display. Zudem werden auch Infos zum Beispiel über Baustellen vom Dienstleister Inrix ermittelt und an die vernetzten Fahrzeuge verschickt. So sind die ermittelten Informationen wesentlich aktueller, als die TMC-Meldungen der Radiosender. Damit der LTE-Empfang möglichst gut ist, werden die Netze der Deutschen Telekom genutzt. Sollte dennoch kein Empfang vorhanden sein, schaltet das Navi automatisch um auf TMC und – sobald wie möglich – wieder zurück auf RTTI. Die Routenberechnung erfolgt schnell. Wenn eine Umleitung möglich ist, dann bietet das Navigationssystem eine alternative Route an. Auf dem zentralen Touchscreen lässt sich dann entscheiden, welche Route genommen werden soll. Alternativ kann das System auch selbständig umrechnen, dies muss der Nutzer jedoch aktiv eingestellt haben. Sehr hilfreich ist die Anzeige der richtigen Fahrspur bei den Abbiegehinweisen. Diese Richtungsangaben erscheinen auch direkt vor dem Fahrer im optionalen Head-Up-Display.

Um schnell Adressen zu finden, lässt sich der Concierge Service kostenfrei anrufen. Die Hotline-Mitarbeiter können nach Orten und Sonderzielen suchen und die Daten direkt ans Festeinbau-Navi schicken. Durchaus praktisch, doch im Testbetrieb zeigte sich, dass man eher selbst entweder vor der Fahrt mit der Google-Suche innerhalb der Smartphone-App MINI Connected sucht und dann ans Navisystem verschickt. Oder aber man wählt im Auto die MINI Online Fahrzeug-Apps aus und tippt ins Suchfeld die Anfrage ein. Alle Methodiken zur Suche nutzen die Google-Suche und verwenden die LTE-SIM-Karte des MINI.

Die Frage nach der Aktualität des Kartenmaterials ist immer wichtig. Beim Vorgänger-Navigationssystem Professional konnten Updates nur via USB-Stick eingespielt werden. Dank der im neuen System fest verbauten LTE-SIM-Karte werden Kartenupdates automatisch over-the-air in den 20 GB großen internen Speicher eingespielt. Das automatische Online-Karten-Update ist im Abo für drei Jahre ab Fahrzeugauslieferung enthalten. Danach lässt sich das Connected Navigation-Abo kostenpflichtig verlängern. Um das gegen die kostenfreien, immer online befindlichen Routenführer auf dem Smartphone zu rechtfertigen, muss eine Festeinbau-Lösung viel Umfang bieten. MINI hat sich etwas einfallen lassen. Mittels der integrierten LTE-SIM-Karte können nun die aktuellen Spritpreise zu Tankstellen in der Umgebung des aktuellen Ortes oder des Zielortes angezeigt werden. Dabei erfährt man nicht nur, wie teuer der Liter ist, sondern auch wann der Preis aktualisiert wurde. Zudem gibt es noch eine Telefonnummer zur jeweiligen Tankstelle, damit man sich dort auch vorab erkundigen kann. Perspektivisch – im Hinblick auf den kommenden Elektro-MINI – kann die Fahrzeug-App auch um Ladesäulen erweitert werden. Diese Online-Infos sind Bestandteil der im MINI Connected-System vorinstallierten MINI Connected Fahrzeug-Apps. Wenn Ihr eine Verlängerung des MINI Connected-Abos bucht, so sind nicht nur die aktuellen Kartendaten und RTTI enthalten, sondern auch alle Services der MINI Connected Fahrzeug-Apps. Wer den Concierge Service auch nach drei Jahren nach Fahrzeugzulassung nutzen möchte, muss ein weiteres Abo abschließen.

Kommunikation

In Sachen Kommunikation offeriert das Festeinbau-System die Möglichkeit, zwei Smartphones gleichzeitig via Bluetooth anzubinden. Da sowohl Fahrer als auch Beifahrer ein eigenes Mikrofon im Dachhimmel haben, muss keiner der Gesprächspartner laut schreien, um verstanden zu werden. So soll das sein. Das Adressbuch wird anstandslos übernommen – egal, ob die Kontakte auf der Smartphone-SIM-Karte oder in der Cloud beispielsweise bei Office 365 gespeichert sind. Auch SMS werden angezeigt. Das Vorlesen durch die Sprachsteuerung ist jedoch sehr abgehakt. Dafür klappt die Diktierfunktion gut, so dass sich Textnachrichten bequem beantworten lassen. Um Freunden mitzuteilen, wann man am Ziel ankommt, kann man eine automatisch generierte SMS an Kontakte versenden. Leider werden nach wie vor keine beliebten Kommunikationsapps unterstützt. Zumindest nicht direkt vom Festeinbau-System selbst. Hier muss der Umweg über Apple CarPlay gefahren werden. Ab iOS-Version 12 können iPhone-Besitzer mittels CarPlay auch WhatsApp während der Fahrt benutzen. Dabei werden die Messages ausschließlich vorgelesen bzw. können diktiert werden. Natürlich via Siri, was etwas angenehmer klingt, als die abgehakte Stimme der NLU-Sprachsteuerung. Wie auch bei der Konzernmutter BMW, muss auch bei MINI ein Abo abgeschlossen werden, um Apple CarPlay nutzen zu können (siehe hier). Dafür können die Passagiere Apple CarPlay drahtlos mit dem Fahrzeug verbinden. Umständliches Anstöpseln an ein Kabel entfällt. Sehr komfortabel. Leider sehen Android-Nutzer immer noch kein Licht am Ende des Kommunikationstunnels. Denn Android Auto oder eine andere Lösung wie weitere Apps fürs Festeinbau-Navi, die auch Android-Usern den komfortablen Zugang zu WhatsApp und anderen Phone-Applikationen (außer Spotify) ermöglichen, bietet MINI weiterhin nicht an.

Konnektivität

Als Ergänzung zum automobilen Infotainmentsystem ist eine Smartphone-App erhältlich. Die App „MINI Connected“ ist kostenlos für iOS und Android-Geräte verfügbar. Voraussetzung ist ein iPhone mit iOS-Version 9.3 oder neuer oder ein Android-basiertes Telefon mit Version 5.0 oder neuer. Die Applikation kann nur im Zusammenspiel mit Infotainmentsystemen von MINI verwendet werden, die in einem Modell der aktuellen F5x/60-Generation verbaut sind. Diese Modelle werden seit 2013 verkauft. Getestet habe ich die mobile Software (Version 5.1) mit einem Motorola Moto Z Play mit Android 8.0 (Oreo).

Nach der Registrierung im neu verfügbaren Online-Portal www.mini-connected.de (siehe hier), wird man aufgefordert eine Verbindung zum Fahrzeug herzustellen. Dazu muss man die letzten sieben Ziffern (bzw. Buchstaben) der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) in der MINI Connected-App eingeben. Dann wird ans MINI-Infotainmentsystem eine Nachricht mit einem Sicherheitscode geschickt. Diesen muss man in der App eingeben. Fertig ist die Koppelung, die dauerhaft gespeichert wird.
Neu im Vergleich zum letztjährigen Infotainmentsystem ist, dass nun auch via Bluetooth eine Verbindung zum MINI aufgebaut werden kann. So wird automatisch nach jedem vollständigen Ausschalten des Motors und der Zündung, der aktuelle Kilometerstand, der Tankfüllstand und die Restreichweite ans Smartphone übermittelt. Dank der im Auto eingebauten LTE-SIM-Karte kann man nun auch Remote Services nutzen. Das bedeutet, dass man nun beispielsweise die Klima-Regelung bequem via Smartphone programmieren kann. So steigt man morgens in ein temperiertes Fahrzeug ein. Beim Vorgänger musste immer eine Kabelverbindung via USB zwischen dem Smartphone und dem Auto bestehen, sonst konnten keine Daten, wie Tankstand etc., ausgetauscht werden. Mit der Telefon-App hat man die Möglichkeit, nach Orten via Google Suche zu suchen. Ist der gewünschte Zielort gefunden, lässt sich dieser mit einem Fingertipp ans Festeinbau-Navi schicken. Wer möchte, kann auch mehrere Fahrten planen. Dann werden die Ziele automatisch ans Auto geschickt und die Routenberechnung gleich gestartet. Außerdem erhält man eine Benachrichtigung auf dem Smartphone, dass es in circa 10 Minuten Zeit ist, loszufahren, damit man pünktlich zur angegebenen Ankunftszeit vor Ort ist. Ist man am Ziel, kommt eine weitere Benachrichtigung, um gleich die in der MINI Connected-App enthaltene Fußgängernavigation zu starten. Das ist ziemlich praktisch. Es können auch Termine aus der Kalender App übernommen und im Fahrzeug angezeigt werden. Leider gibt es keine Möglichkeit selbst festzulegen, aus welchen Kalendern Termine übernommen werden sollen. Bei Android wird immer der Google Kalender genommen. Eine freie Wahl, welche Kalender von der App und im Fahrzeug angezeigt werden, wäre schön.

Genau wie beim vorherigen Navigationssystem Professional, befinden sich in der Sonderausstattung „MINI Navigation plus“ auch wieder zwei Bluetooth-Schlüsselanhänger – die MINI Find Mates. Diese koppeln sich drahtlos mit dem Smartphone. Über die MINI Connected-App ist es möglich, auf der Karte zu verfolgen, wo sich zum Beispiel der Rucksack mit dem Anhänger zuletzt befunden hat. Zur eindeutigen Identifikation lässt sich ein Name und ein Logo vergeben. Komfortabel ist, dass die FindMates auch auf der Navigationskarte im Festeinbau-Navi zu sehen sind. Und wer vergessen hat, wo sein Telefon ist, kann den Smartphone Finder aktivieren und so sein Mobiltelefon klingeln lassen.

Fazit

MINI hat mit den neuen Connected-Radio-/Navigationssystemen einen großen Schritt in Richtung Vernetzung getan. Die festverbaute LTE-SIM-Karte bringt viele neue Möglichkeiten. Vor allem die Navigation wird dadurch stark aufgewertet. Einerseits sind durch die im Auto vorinstallierten „MINI Connected Fahrzeug-Apps“ eine Suche nach Tankstellen mit aktuellen Preisen ebenso möglich, wie eine Google-Abfrage nach einem bestimmten Ort. Andererseits wird die Funkverbindung für genauere Echtzeitverkehrsinfos (RTTI) genutzt. Zudem sind im Fahrzeugpreis bereits Over-the-air Kartenupdates für drei Jahre ab Fahrzeugzulassung enthalten. Nach Ablauf dieser Periode wird sich das Connected Navigation-Package im jährlichen Abo buchen lassen (analog zu den BMW Connected-Packages, siehe hier). Als Gebühr dafür wird MINI etwa 150 Euro verlangen, wenn man mal die BMW-Preise zugrunde legt. Dafür bekommen Abonnenten mehrere Kartenaktualisierung pro Jahr, sowie zusätzlich Echtzeitverkehrsinformationen, MINI Fahrzeug-Apps und die Remote Services. Zum Vergleich: Beim Vorfahren – dem „MINI Navigationssystem Professional“ – musste man für ein einziges Kartenupdate zwischen 100 und 150 Euro ausgeben. Dabei waren keine Echtzeitverkehrsinfos oder eine Tankstellensuche mit Online-Preisinfos enthalten…
In der MINI Connected Fahrzeug-Apps ist auch ein News-Portal enthalten. So werden aktuelle Nachrichten des Weltgeschehens und Sport-Ergebnisse (wer möchte) direkt an den MINI geschickt. Eine überaus praktische Funktion. Leider sind die Dr. Windows-News nicht enthalten, aber wer weiß, was mal passieren wird 😉

Leider wird die integrierte LTE-SIM-Karte nicht für den Bereich Multimedia genutzt. Eine vertane Chance, denn prinzipiell offeriert MINI eine Spotify-App. Diese fügt sich nahtlos ins Infotainmentsystem ein und bringt alle Funktionen der gewohnten Applikation mit sich. Aber es wird eben zwingend eine Verbindung zum Smartphone benötigt. Zumindest optional sollte hier dem Kunden die Möglichkeit offen stehen, ob er nicht auch gegen Gebühr die interne Fahrzeug-SIM-Karte für Multimedia-Dienste nutzen möchte. Immerhin ist es dank des verbesserten Bluetooth-Moduls möglich, auch drahtlos eine Kommunikation zwischen Telefon und Auto herzustellen und diese dann für die Datenübertragung zu nutzen. Ebenfalls ohne Kabel klappt die Einbindung von Apple CarPlay. Das ist sehr komfortabel. Auf diesem Wege lässt sich beispielsweise auch WhatsApp nutzen, indem Siri dann als Vorlese- und Diktiergerät fungiert. Allerdings ist Apple CarPlay nur im kostenpflichtigen Abo erhältlich, das nach einem Jahr nach Fahrzeugzulassung ausläuft. Bedauerlicherweise wird immer noch kein Android Auto unterstützt.
Die Smartphone-App MINI Connected profitiert von der Vernetzung des automobilen Kompagnons. So können nun nicht nur Navigationsziele gesucht werden, sondern so gleich direkt ans Festeinbau-Navi geschickt werden. Auch der Abruf zum Beispiel des aktuellen Tankfüllstands ist nun jederzeit möglich. Eine Verbindung via USB-Kabel, wie es noch beim Vorgänger zwingend war, ist nicht mehr erforderlich. Neben der Send2Car-Funktion für Adressen war die Standlüftung mein persönliches Lieblingsfeature. Denn so kann man in ein gut temperiertes Auto einsteigen. Wenngleich hier keine exakte Temperatur festgelegt werden kann, so ist es dennoch ein willkommenes Feature. Dann heizt sich im Sommer beispielsweise der Innenraum nicht ganz so stark auf.

Die Find Mates erweisen sich als hilfreiche Accessoires für Taschen jeglicher Art. Etwas schade ist, dass die festverbaute LTE-SIM-Karte eben nur für Navigationsfunktionen, MINI Fahrzeug-Apps und Remote Services genutzt wird. Denn gerade für die Nutzung von Streaminganbietern (ála Spotify) im Auto, wäre die LTE-Verbindung über die Fahrzeugantenne komfortabel. Toll hingegen, dass MINI auch kontinuierlich Updates für zum Beispiel die Navigation und MINI Online (im jährlichen Abo) anbietet. Kaufinteressenten sollten unbedingt ein Kreuzchen machen beim MINI Connected Navigation plus-System.

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