Eine Woche mit dem Surface Go: Ein ganz neues Windows-Erlebnis

Das Surface Go ist eine kleine Version des Surface Pro. Es sieht auf den ersten Blick so aus, als hätte man das Pro zu heiß gewaschen. Auf den zweiten Blick ist es die moderne Interpretation eines Netbooks. Ein kleiner Computer mit Windows 10, völlig unspektakulär. Oder vielleicht doch nicht? Ich habe das Surface Go nun seit einer Woche und stelle fest, dass es genau das ist, was ich erwartet habe. Und dennoch ist Unerwartetes passiert: Das Surface Go hat meine Gewohnheiten verändert. Ich nutze es, wie ich es noch nie ein Windows-Gerät benutzt habe.

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich verhindern, dass sich bei Einigen von euch während des Lesens der Widerspruch anstaut. Ist das Surface Go ein vollwertiger Windows-PC? Die Antwort ist: „Nein“. Ist es in der Lage, irgendein Windows-Gerät zu ersetzen? Die Antwort ist: „Nein“. Das Surface Go ist nichts, was du schon hast. Möglicherweise ist es auch nichts, was du haben willst. Vielleicht ist es aber genau das, was dir noch gefehlt hat. Genau so ist es bei mir.

Für die mobile Arbeit hatte ich bisher das Surface Pro. Das hat ordentlich Leistung und einen größeren Bildschirm, würde also durchaus als Laptop-Ersatz taugen. Allerdings nicht für mich, ich käme eher nicht auf die Idee, mich mit dem Surface Pro ins Büro zu setzen und es als primäres Arbeitsgerät zu nutzen. Das Pro war für mich immer das „unterwegs-Gerät“, genau dafür war es mir aber beinahe schon wieder zu groß. Als ich das Surface Go zum ersten Mal sah, dachte ich daher sofort: Das ist es! Hoffentlich…

Nachdem ich das Surface Go ausgepackt und in Betrieb genommen hatte, nutzte ich es zunächst wie einen ganz normalen Windows-PC. Ich merkte relativ schnell, dass dies nicht optimal ist, dafür sind das Gerät und der Bildschirm einfach zu klein. Wer das Surface Go also wie einen Windows-PC beurteilt, der wird zu einem negativen Ergebnis kommen. In manchen Testberichten ist ja genau das schon passiert. Es ist legitim, das so zu sehen, damit bewahrt man ja vielleicht auch den einen oder anderen potenziellen Käufer vor einer Enttäuschung. Also ist es besser, wenn man genau weiß, was das Go nicht ist.

Vielleicht braucht man diese grundsätzliche Zuneigung, wie ich sie gegenüber der Surface-Reihe habe, damit das passieren konnte, was bei mir passiert ist: Das Gerät begann, mich anzupassen. Ich aktivierte den Tablet-Modus (auf die Idee bin ich beim Surface Pro noch nie gekommen), weil das Startmenü auf dem kleinen Display einfach zu klein war. Außerdem verspürte ich den Drang, einfach alles per Touch zu erledigen. Weil das aber auf Webseiten und in bestimmten Programmen bisweilen mühselig ist, begann ich, in bisher nicht gekanntem Ausmaß Apps zu nutzen. Die Mail- und Kalender-App ist plötzlich mein bester Freund, für Twitter nutze ich nur noch die PWA, auf Feedly greife ich nicht mehr über den Browser zu, sondern nutze FeedLab.

OneNote und andere Apps machen auf dem Surface Go viel mehr Spaß – auch deshalb, weil man es mit beiden Händen halten und über die Touch-Tastatur mit beiden Daumen Texte eingeben kann. Vieles, was in Windows 10 enthalten ist, ergibt auf dem Surface Go plötzlich viel mehr Sinn. Das trifft beispielsweise auf das Info-Center zu, das einfach nicht für die Mausbedienung gemacht ist.

Regelrecht explodiert ist bei mir die Stiftnutzung. Das Surface Pro in der Hand zu halten und darauf zu schreiben, war mir immer eine Spur zu unhandlich, auf dem Surface Go hingegen funktioniert es perfekt. Normalerweise habe ich bei Pressekonferenzen das Laptop auf dem Schoß und schreibe mit, auf der IFA zückte ich immer öfter mein Surface Go und schrieb in OneNote wie in einen Notizblock – ganz so, wie es auch im Sinne des Erfinders ist und wie es mir auf diesem Gerät zum allerersten Mal so richtig Spaß macht.

Microsoft bewirbt das Surface Go nicht als PC- oder Notebook-Ersatz, sondern als ultramobiles Arbeitsgerät. Genau dieses Versprechen löst es bei mir ein. Das Surface Go ist die lang ersehnte Antwort auf die Frage, welchen Sinn Apps auf einem Desktop-System haben, und überhaupt habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass viele Features von Windows 10 damit endlich auf dem richtigen Formfaktor angekommen sind.

Einziger Nachteil bisher: Ich brauche immer noch eine separate Tasche, um es zu transportieren, aber ich habe nachgemessen: Wenn ich es nur ein Mal in der Mitte falten könnte, würde es schon in die Gesäßtasche meiner Lieblings-Jeans passen. (Surface) Go for it!

 

 

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