Product Lite: Bringt Microsoft das Nicht-Windows, das ich mir schon lange wünsche?

Wer diese Seite schon länger und regelmäßig verfolgt, der weiß, dass ich eine Sache in den letzten Monaten, ja fast schon Jahren, regelmäßig wiederholt ausspreche: Windows muss sterben. Nein, nicht das Betriebssystem, welches wir mit diesem Namen verbinden. Das soll bleiben und auch ruhig weiterhin so heißen. Aber wenn Microsoft wirklich mit einem modernen und von Grund auf erneuerten Betriebssystem durchstarten möchte, dann muss es den Namen Windows hinter sich lassen, sonst wird es immer in der Vergangenheit festgenagelt bleiben.

Zum ersten Mal habe ich im Jahr 2012 laut darüber nachgedacht, da war es allerdings nicht viel mehr als ein verwegener Gedanke. Drei Artikel aus der etwas jüngeren Vergangenheit, in denen ich mich mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigt habe, möchte euch in diesem Zusammenhang besonders ans Herz legen:

Ein modernes Microsoft-Betriebssystem braucht auch einen neuen Namen (Januar 2018)
Mission Impossible? Warum die Erneuerung von Windows so schwer ist (Februar 2018)
Die Zukunft von Windows 10: Ein S ist nicht genug (September 2017)

Ihr seht, ich befinde mich schon länger in diesem Denkprozess. Der Tenor ist: So lange ein Betriebssystem Windows heißt, werden die Kunden immer das darunter verstehen, was sie seit Jahrzehnten kennen: Das fette Desktop-Betriebssystem mit all seinen Stärken und Schwächen. Alles, was davon abweicht oder erst mal weniger kann, ist deshalb ganz automatisch ein Rückschritt. Windows RT und Windows 10 S sind auch deshalb gescheitert (natürlich nicht nur deswegen).

Nun gibt es tatsächlich Hoffnung, dass sich mein Wunsch erfüllt: Brad Sams hat sich auf die Suche nach Informationen gemacht, was hinter dem „PRODUCT_LITE“ steckt, auf das sich in den Insider-Versionen von Windows 10 19H1 zahlreiche Verweise finden.

Das Ergebnis: Es handelt sich hier um eine neue Version von Windows, die auf dem neuen Core OS basiert und die nur Universal Apps und Progressive Web Apps unterstützt. Dem Produktnamen entsprechend soll es sich um eine besonders leichtgewichtige Edition handeln, die auf allen Prozessor-Typen läuft. Ziel dieses Unterfangens ist, ein echtes Pendant zu Chrome OS zu schaffen.

Auch die Oberfläche könnte sich stark von dem unterscheiden, was wir heute aus Windows 10 kennen, und in diesem Zusammenhang kommt die allerwichtigste Information: Microsoft erwägt, diese neue Version nicht „Windows“ zu nennen.

Eines ist natürlich ebenfalls klar: Nur aufgrund der Tatsache, dass ein auf Universal Apps und PWAs beschränktes System nicht Windows heißt, wird es nicht automatisch ein Erfolg. Es bliebe ja trotzdem erstmal ein System, für das einem auf Anhieb keine sinnvolle Verwendung einfällt. Aber dieser Schritt würde die Basis dafür legen, dass eine solche von allen Altlasten befreite Erneuerung überhaupt beginnen kann.

Mehr muss es in der Tat zunächst nicht sein, im Gegenteil. Windows RT und Windows 10 S wurden von Microsoft zusammen mit Premium-Geräten an den Start geschickt und es wurde so getan, als wäre das schon der große Wurf – rückblickend betrachtet konnte das nur daneben gehen. Irgendeine Referenz-Hardware wird es natürlich dennoch brauchen, am ehesten könnte ich mir da ein Gerät vorstellen, welches kein Allrounder ist, sondern auf ein ganz bestimmtes Szenario ausgelegt ist und für das Microsoft die nötige Software dann auch gleich mitliefert.

Spätestens hier driften wir dann aber endgültig in den Bereich der wilden Spekulation, daher mag ich mir auch gar nicht so sehr den Kopf darüber zerbrechen. Die wichtigste Botschaft ist für mich wie gesagt jene, dass Microsoft sich nicht mehr krampfhaft an den Namen Windows klammert und damit meiner Meinung nach die wichtigste Voraussetzung für einen echten Neuanfang schafft.

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