Vorgestellt: Joplin Notes – eine Alternative zu OneNote?

Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung und des papierlosen Büros werden leistungsstarke Anwendungen zur Notizverwaltung immer wichtiger. Die beiden Platzhirsche sind hier ohne Frage Evernote und Microsoft OneNote, aber auch darunter bieten sich mit Simplenote oder Google Keep Notes weitere Vertreter an, die allerdings aus verschiedenen Gründen nicht jedem schmecken. Microsoft hat hier mit OneNote noch in eine spezielle Kerbe gestoßen, als sie den Wechsel von OneNote 2016 auf die UWP-App verkündet haben und das alte Win32-Programm nicht mehr weiterentwickeln wollen.

Wie ich schon an Silvester in einem ausführlichen Artikel erwähnt habe, habe ich mich bei der Erneuerung meiner Software auch mit entsprechenden Notizverwaltungen beschäftigt, wo in meinem konkreten Fall neben OneNote vorerst Simplenote das Rennen gemacht hat. Die Zahl der im FOSS-Umfeld verfügbaren Vertreter ist aber durchaus größer und speziell einer davon könnte zumindest für bestimmte Nutzergruppen eine mögliche Alternative sein, weswegen ich ihn euch heute mal näher vorstellen will: Joplin.

Features

Joplin Main Window

Joplin ist ein OpenSource-Projekt des britischen Entwicklers Laurent Cozic, welches unter der MIT-Lizenz steht und neben den drei großen Desktop-Ökosystemen Windows, Mac und Linux auch für iOS und Android als App kostenlos verfügbar ist. Die Anwendung orientiert sich vom Aufbau her an Evernote und kann neben den eigenen Dateiformaten von Joplin (JEX für einzelne Dateien und – ironischerweise – RAW für ganze Verzeichnisse) und Markdown-Dateien auch Evernote-Notizbücher importieren. Als Exportformate stehen JEX, RAW, JSON, Markdown und PDF zur Verfügung. Daneben verfügt Joplin über Grundfunktionen wie Schlagwörter, eine recht gute Suchfunktion und eine Druckfunktion. Web-Clipper stehen über addons.mozilla.org und den Chrome Web Store ebenfalls zur Verfügung, allerdings muss die Zusammenarbeit erst bei den Werkzeugen aktiviert werden.

Eine zentrale Frage ist die Synchronisation der einzelnen Inhalte. Joplin unterstützt hier den Sync in lokalen Dateisystemen/-verzeichnissen (z.B. auf eine angeschlossene Festplatte etc.), allerdings steht auch der offene WebDAV-Standard zur Verfügung und eine Verteilung über Dropbox, OneDrive und Nextcloud ist ebenfalls möglich. Während bei Nextcloud die URL der eigenen Instanz direkt hinterlegt werden muss, verbindet sich Joplin bei Dropbox und OneDrive direkt mit eurem Account und erstellt für sich dort dann (nach eurer Freigabe) ein eigenes Unterverzeichnis, auf das die unterschiedlichen Clients dann zugreifen müssen. Innerhalb der Desktop-Anwendung steht zudem ein einfacher Status-Monitor zur Verfügung, der über eventuelle Probleme bei der Synchronisation informiert.

Eigenarten

Joplin Settings

Joplin kommt allerdings auch mit 1-2 Eigenheiten daher, weswegen ich auch bewusst sage, dass er wahrscheinlich nicht für jeden geeignet ist und wo mir gewisse Sachen auch nicht so sehr schmecken. Wie andere Vertreter aus dem FOSS-Umfeld wie Laverna oder Boostnote setzt Joplin auch auf Markdown als bevorzugte Schreibmethode. Es gibt zwar diverse Hilfsmittel (siehe erstes Bild) und man kann auch sowohl das Schreib- als auch das Vorschaufeld entweder alleine oder beide nebeneinander anzeigen, am Ende bleibt es aber Markdown und es erfordert, auch wenn es nicht schwer zu „lernen“ ist, etwas Einarbeitungszeit. Am Einfachsten ist es hier sicherlich für Entwickler oder für Leute, die schon Erfahrung mit Markdown haben.

Die andere Eigenheit seht ihr oben in den Einstellungen. Joplin bietet die Möglichkeit, die Notizen in einem externen Editor aufzurufen und zu bearbeiten. Genau das hab ich überhaupt nicht hinbekommen und entsprechend nicht testen können. Für die Funktionsweise von Joplin hat das zwar prinzipiell keine Bedeutung, man kann schließlich alles intern machen. Allerdings soll es hier nicht unerwähnt bleiben.

Sonstiges

Eine nette Beigabe ist die integrierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bei Joplin pro Client optional aktiviert werden kann. Die Anwendung greift dabei auf etablierte Verfahren zurück (AES-128, SHA-256), wobei die Ver- und Entschlüsselung immer lokal auf dem jeweiligen Gerät geschieht. Was ich persönlich etwas unschön finde, ist, dass die verwendeten Hashes und Cipher-Algorithmen nicht in der Dokumentation erwähnt werden, hierfür musste ich mich erst durch den verlinkten Quellcode scrollen und nach den entsprechenden Einträgen suchen. Das hätte man besser lösen können.

Insgesamt ist Joplin ein ordentliches Paket, welches allerdings nicht ganz ohne kleine Eigenarten ist. Wer mehr Kontrolle über Offline-Verfügbarkeit und die gewählte Synchronisationsvariante haben möchte, findet hier einen guten Ansatz. Weitere Informationen sowie die Downloads der Desktop-Varianten findet ihr hier oder auf GitHub, auch das APK-File für diejenigen, die es unter Android ohne Google-Verbindung nutzen wollen, ist dort zu finden. Wer lieber über den Google Play Store bzw. den iOS Appstore gehen will, folgt den entsprechenden Boxen.

Joplin
Joplin


Joplin
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